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Teil 2

Sind allergenarme Zuchtkatzen die Lösung des Problems Katzenhaar-Allergie?

Nun endlich zeichnet sich – zumindest für wohlhabende amerikanische Katzenliebhaber – ein Ausweg aus dieser Zwickmühle ab. Schon vor Jahren kündigte das US-Unternehmen Allerca an, dass es auf dem besten Wege sei, Katzen zu züchten, die das Haupt-Allergen Fel-d1 nur noch in so minimalen Mengen produzieren, dass dieses bei den empfindlichen Katzenhaar-Allergikern keine Symptome mehr auslösen kann. Bei dieser Absichtserklärung entstand in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass diese „Produktentwicklung“ auf Genmanipulationen beruhen müßte. Daher gab es heftige Proteste von Verbraucher-, Tier- und Umweltschützern. Die Allerca-Pläne waren aus Sicht des hannoverschen Tiermediziners Ingo Nolte unethisch :  „Ich halte es für unglaublich, es erinnert mich wirklich an Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, sagte der Direktor der Klinik für kleine Haustiere an der Tierärztlichen Hochschule Hannover zur Nachrichtenagentur dpa.

Shampoonieren der Katze als billige Alternative zu den teuren Zuchtkatzen

Mit ein wenig Planung und gesundem Menschenverstand konnten Katzenhaar-Allergiker schon lange die von ihrem Haustier ausgehende Allergen-Belastung deutlich reduzieren. Gewöhnte er eine junge Katze rechtzeitig daran, sich einmal in der Woche shampoonieren und abbrausen zu lassen, so konnte die Konzentration der über den Katzenkörper verteilten Allergene und die daraus resultierenden Allergiesymptome drastisch vermindert werden. Wurde allerdings das schmale Zeitfenster nicht genutzt, so mussten viele Katzenliebhaber später mit ihren älteren Katzen die schmerzhafte Erfahrung machen, dass sich kampferprobte und eigensinnige Stubentiger überhaupt nicht mit einem regelmäßigen Duschbad anfreunden können.

Erste allergenfreie Zuchtkatzen werden nun ausgeliefert

Da mittlerweile die ersten „allergenfreien“ Katzen geboren wurden und von Allerca  an ihre Kunden ausgeliefert werden, wird sich schnell zeigen, ob sich die Investitionen in Millionenhöhe für das Unternehmen wirklich auszahlen werden. Der hohe Preis der Katzen scheint gerechtfertig zu sein, wenn man den bei der „Produktentwicklung“ angefallenen Forschungs- und Arbeitsaufwand betrachtet.

Beim Menschen löst in erster Linie das Haupt-Allergen  Fel-d1, ein Glykoprotein, das die Katzen mit dem Speichel über ihr Fell und die Haut verteilen, die allergischen Reaktionen aus. Der Trick bestand für Allerca darin, für die Zucht jene Katzen zu identifizieren und auszuwählen, die von Natur aus nur geringe Mengen an Fel-d1 produzieren. Wie bei allen Lebewesen gibt es auch bei den Katzen natürlicherweise vorkommende genetische Unterschiede, die sich auch auf die Produktion der verschiedenen Allergene auswirken.

Nur eine von 50.000 Katzen ist für die Zucht geeignet

„Von der für uns wichtigen Variante der Erbanlagen ist leider nur eine unter etwa 50.000 Katzen betroffen",  betont Steve May von Allerca und wies die Kritik von Umwelt- und Tierschützern zurück, da die „allergenfreien“ Katzen ausschließlich mit Hilfe der seit Jahrtausenden bewährten Methoden natürlicher Zuchtauswahl entstanden. Was bei Kühen und Schweinen recht ist, sollte nach Meinung der Betreiber von Allerca auch bei Katzen billig sein. Eine gentechnische Veränderung der Erbanlagen der Katzen war somit überhaupt nicht erforderlich. Allerdings bezweifeln Experten, ob die Abwesenheit eines einzigen Katzen-Allergens tatsächlich ausreicht, um den Allergikern ihre lästigen Krankheitszeichen zu ersparen. 

Unabhängig vom Erfolg des interessanten Experiments kritisieren Tierschützer aber nach wie vor den immensen Aufwand und die mit den erforderlichen Tierversuchen verbundenen Qualen für die Katzen. Tierarzt Nolte kritisierte schon vor Jahren: „Für die Entwicklung einer allergenfreien Katze sind zahlreiche Tierversuche nötig. Dafür müssen dann viele Katzen sterben. Das darf nicht sein. Das ist völlig unvertretbar und mit unserer ethisch-moralischen Auffassung nicht vereinbar.“ 

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